HTL-Wels Logo

Handy killt Hirn

Neurologe Wolfgang Lalouschek referiert über „hirngerechtes Arbeiten und Lernen in der modernen Welt“

Wolfgang Lalouschek in seinem Vortrag an der HTL Wels: „Besser mit Köpfchen statt mit Handy.“

Wie stark Smartphones die Leistungen des Gehirns beeinträchtigen, darüber sprach der Facharzt für Neurologie Wolfgang Lalouschek vor hunderten Schülerinnen und Schülern der HTL Wels auf Einladung des Absolventenvereins.

Ins Visier nahm der Systemische Coach vor allem das Multitasking, also das gleichzeitige Abarbeiten von verschiedenen Aufgaben, wozu neben der eigentlichen Arbeit auch das ständige Schielen aufs Smartphone zählt.

Das Gehirn kann sich mit seinem Bewusstsein nur auf eine Aufgabe konzentrieren. Springt das Gehirn von einer Aufgabe zur anderen, fängt man vieles an und bringt kaum etwas fertig, verzeichnet dafür allerdings einen Leistungsabfall von bis zu 40 Prozent.

Prof. Lalouschek präsentierte dazu zwei Beispiele: Eines war ein wissenschaftlicher Versuch, wobei zwei Gruppen getestet wurden – eine Gruppe gab ihr Handy am Eingang ab, die andere hatte das Handy (Ton ausgeschaltet) bei sich. Die Gruppe mit Handy schnitt im Durchschnitt schlechter ab.

Das andere war eine Studie, wobei Arbeitern ein E-Mail geschickt wurde (kurze Mitteilung am Bildschirm – neue E-Mail). Die Arbeiter brauchten im Durchschnitt zwei Sekunden, um sich das Mail anzusehen, welches jedoch leer war. Danach brauchte es aber 10 bis 15 Minuten, bis sie wieder bei der ursprünglichen Aufgabe waren. In der Zwischenzeit waren sie abgelenkt, beschäftigten sich mit anderen ungelösten Aufgaben, die wiederum ungelöst blieben!

Smartphone = Sucht

Lalouschek: „Zeige einem Menschen sein Smartphone und es werden dieselben Areale im Gehirn angesprochen, wie wenn einem Süchtigen eine Drogenspritze gezeigt wird.“ Durchschnittliche Nutzer würden 60- bis 120-mal pro Tag auf ihr Handy schauen, heavy user sogar mehr als 200-mal.

„Die Arbeitsleistung sinkt sofort um 15 Prozent, nur wenn das Handy im selben Raum ist“, so Lalouschek. Die Begründung: Das Smartphone binde einen Teil der Aufmerksamkeit – es könnte ja jederzeit eine Nachricht oder ein Anruf kommen –, der dann für die eigentliche Arbeit fehle. Zudem könne das Gehirn nicht zwischen echter und virtueller Kommunikation unterscheiden, sodass der Mensch mit Smartphone ständig unter Stress stehe.

Dafür zeigt der Medizinische Leiter des Gesundheitszentrums The Tree in Wien und Leiter des Beratungsinstituts Medical Coaching einen einfachen Ausweg auf: volle Konzentration auf eine Sache! Durch Singletasking erreicht man die höchste Leistung.

Zudem solle man seinen Tag so gestalten, dass man immer wieder Phasen einbaut, in denen man nicht gestört wird.

Echte soziale Beziehungen

Und wann ist man wirklich glücklich? Dazu zitiert Lalouschek Studien, die zwei Ergebnisse zeitigten: Zum einen sind soziale Beziehungen von enormer Bedeutung, um Belastungen leichter wegstecken zu können, also persönliche Treffen statt Smartphone; zum anderen geht es um die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin, das vor allem dann den Körper flutet, wenn man sich ein Ziel setzt, sich bemüht, dieses zu erreichen, und eben dann diese Zielerreichung „feiern“ kann! Dazu braucht es vor allem eines nicht: ein Smartphone.